Sternklare Zahnschmerzen - Die CD

ZITAT DES MONATS

In unserer Gesellschaft stehen Anständigen und Spitzbuben die gleichen Wege offen – allerdings mit einem Unterschied: Die Spitzbuben bedienen sich zusätzlich gewisser Wege, die der Anständige scheut. So kommt es zu einer ständigen Anreicherung der höheren Gesellschaft mit Schurken.

Hermann Oberth (1894-1989)



Geistiges Entrümpeln

Feb

18.

Warum auch immer - ich konnte nicht einschlafen. Also bin ich wieder aufgestanden und dachte mir: Räum doch mal die Dateien auf deinem Computer auf. Solche Anfälle bekomme ich nur alle paar Jahre einmal, wenn mir die Ablagestruktur nicht mehr übersichtlich genug erscheint.

Und beim Klicken durch die Verzeichnisse staune ich dann manchmal selbst, welche Fülle an Dateien, Texten und Gedanken sich in meinem elektronischen Datenabspeicherungsleben angesammelt hat. Und dann entdecke ich auch immer längst vergessene Dateien wieder: Ideen für Lieder, die ich doch immer schon mal schreiben wollte. Ideen für Bücher, die ich immer schon mal schreiben wollte. Ideen für Projekte, die man irgendwann mal umsetzen sollte. Ideen für alles Mögliche, wenn ich mal Zeit habe.

In letzter Zeit ist bei mir allerdings auch die Erkenntnis gewachsen, dass für manche Lieder, Bücher, Projekte und alles Mögliche nie die Zeit kommen wird. Sie sind und bleiben Fragment! Ich habe also des Nächstens aufgeräumt, verschoben, neu sortiert, neu kategorisiert und: gelöscht! Jawohl, ich habe mich von Teilen meines einst festgehaltenen geistigen Gedankengutes getrennt und es unwiderruflich vernichtet!

Und ich habe dabei festgestellt: Kellerausmisten ist ja schon so eine Sache. Viele tun sich schwer damit, das über die Jahre angesammelte Gerümpel wegzuschmeißen. Vermutlich, weil in dem Moment der Entscheidung über das Wegschmeißens noch einmal einen Augenblick lang die Erinnerungen aufflackert, welche - wie auch immer geartete - Bedeutung der Gegenstand einst hatte. Erinnerungen mit Gefühlen und somit auch ein Stück Identität blitzen auf. Beim Ausmisten der Dateien und dem geistigen Entrümpeln war dies irgendwie noch bewegender: Das Löschen von Ideen und damit das Adieu-Sagen für immer war ein bewusster Moment, ein Moment mit lächelnder Wehmut. -

Allerdings: Man lebt und fühlt sich - beim einen wie beim anderen - nach getaner Arbeit doch deutlich befreiter!



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