Sternklare Zahnschmerzen - Die CD

ZITAT DES MONATS

In unserer Gesellschaft stehen Anständigen und Spitzbuben die gleichen Wege offen – allerdings mit einem Unterschied: Die Spitzbuben bedienen sich zusätzlich gewisser Wege, die der Anständige scheut. So kommt es zu einer ständigen Anreicherung der höheren Gesellschaft mit Schurken.

Hermann Oberth (1894-1989)



Denkste!?

Sep

03.

"Wenn jeder an sich denkt, ist an jeden gedacht." Diesen Spruch las ich im "Konsumistischen Manifest". Der Verfasser des Artikels, Tobias Becker, ging dem Gedanken nach, warum in unserer Gesellschaft das Einkaufen so stark als erste Bürgerpflicht propagiert wird. Er hinterfragt dabei unter anderem auch die "neoliberale Wirtschaftsideologie" der sogenannten LOHAS-Bewegung ("Lifestyle of Health and Sustainability" = Lebensstil für Gesundheit und Nachhaltigkeit) mit eben dieser einfachen Formel: "Wenn jeder an sich denkt, ist an jeden gedacht".

Der Satz hat etwas Bestechendes. Weil er logisch stimmt. Und weil er in unserer sich zunehmend um das eigene Selbst kreisenden Gesellschaft gleich die Entschuldigung mittransportiert, warum man sich nicht um andere und anderes kümmern braucht. Da kann ja jeder schließlich einfach an sich selber denken.

Der Satz - und damit die dahinterstehende Philosophie - kommt dann ins Wackeln, wenn man das Verb austauscht: "Wenn jeder sich selbst umarmt, ist jeder umarmt." Das klappt zum Beispiel nur schlecht. "Wenn jeder sich selbst küsst, ist jeder geküsst." Was für eine erbärmliche Vorstellung. "Wenn jeder sich selbst liebt, ist jeder geliebt." Was für jämmerlich verkürzter Begriff von Liebe.

Damit das Denken und Leben zu voller Entfaltung kommt, braucht es eben doch mehr als nur sich selbst. Es braucht ein Gegenüber.



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