Sternklare Zahnschmerzen - Die CD

ZITAT DES MONATS

In unserer Gesellschaft stehen Anständigen und Spitzbuben die gleichen Wege offen – allerdings mit einem Unterschied: Die Spitzbuben bedienen sich zusätzlich gewisser Wege, die der Anständige scheut. So kommt es zu einer ständigen Anreicherung der höheren Gesellschaft mit Schurken.

Hermann Oberth (1894-1989)



Unterhaltungskritiker damals und heute

Jan

31.

Gerade stieß ich beim Lesen auf den Heiligen Telemachus. Diesen Heiligen kannte ich nicht, wie ich als Protestant ohnehin nur wenige Heilige wirklich kenne. Aber diesen Heiligen finde ich bemerkenswert.

Telemachus lebte am Ende des 4. Jahrhunderts nach Christus und ihn widerte das tödliche Schlachten der Gladiatoren in den römischen Amphitheatern so an, dass er bei einer Vorstellung in die Arena sprang und sich zwischen die Gladiatoren warf, um sie voneinander zu trennen. Leider verkannten sowohl das belustigungswütige Volk wie auch die Gladiatoren die eiränische Absicht dieses vom christlichen Geist der Würde jedes Einzelnen getriebenen Mannes. Es ist strittig, ob es die Gladiatoren waren, die ihn in Stücke hieben, oder das Volk selbst, das ihn steinigte. Auf jeden Fall starb er um seiner Friedensgeste willen. Was ihn allerdings nachträglich in den Status der Heiligkeit beförderte.

Die heutigen Telemachusse, die sich mutig in die Arena unserer medialen Telegesellschaft schmeißen und gegen Schwachsinn und Entblößung der Würde kämpfen, werden zwar nicht mehr gesteinigt oder mit dem Schwert in Stücke gehauen. Aber überm Strich teilen sie das Schicksal mit ihrem antiken Vorbild: Sie werden als bedauernswerte Kreaturen ausgelacht und als Störenfriede des Showbusiness von den Meinungsmachern weggefegt. Umgebracht werden sie in der Regel nicht, aber das hat auch Folgen: Sie bekommen keinen Platz im Heiligenkalender und müssen mit der Bürde des Belächeltwerdens leben.



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