Sternklare Zahnschmerzen - Die CD

ZITAT DES MONATS

In unserer Gesellschaft stehen Anständigen und Spitzbuben die gleichen Wege offen – allerdings mit einem Unterschied: Die Spitzbuben bedienen sich zusätzlich gewisser Wege, die der Anständige scheut. So kommt es zu einer ständigen Anreicherung der höheren Gesellschaft mit Schurken.

Hermann Oberth (1894-1989)



Pfarrer tritt vor den Sarg

Feb

29.

Die katholischen Schwestern und Brüder sind mit Blick auf den Pfarrdienst nicht zu beneiden. Angesichts des Priestermangels kommt es zuweilen zu einer extremen Häufung der Amtsgeschäfte. Nur verständlich, dass die obere Geistlichkeit versucht, hier Abhilfe und Unterstützung zu schaffen. Eine dieser Maßnahmen ist, Priester aus dem Ausland für diesen Dienst zu gewinnen. Ich habe schon einige dieser ausländischen Kollegen kennen gelernt. In der Mehrzahl sind es herzensgute Menschen. Allerdings ist es für sie mitunter schwierig, sich aus einem anderen Kulturkreis kommend nun in die abendländischen und speziell die germanischen Sitten und Gebräuche einzufügen.

Einer dieser Kollegen, dessen Ursprungsheimat Indien ist, wurde - so erzählte es mir eine liebe Kollegin - nachdem er frisch in die Gemeinde gekommen war schnell zum Tagesgespräch. Denn insbesondere die Beerdigungen gestaltete er etwas speziell. So ging er nach dem Fürbittengebet an den Sarg, hob sein Gewand leicht an und trat dann zur großen Verwunderung der versammelten Trauergemeinde für alle deutlich sichtbar und hörbar gegen den Sarg. Nach dieser Handlung setzte er die Feier mit der Aussegnung fort.

Es dauerte nicht lange, dass dies dem Dechanten zu Ohren kam. "Sagen Sie mal, lieber Bruder, warum treten Sie eigentlich vor der Aussegnung gegen den Sarg?" Daraufhin meinte der indische Kollege: "Macht man das nicht so? In Eurer Agende steht doch `Pfarrer tritt vor den Sarg!´"

Touché! Wo er Recht hat, hat er Recht. Vermutlich ist dieser altkirchlich-germanische Brauch etwas in Vergessenheit geraten. Wie schön, wenn der fremde Blick uns manchmal mit der Nase auf manche Eigentümlichkeiten stößt. Und sei es auch nur bei unserer Sprache.



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