Sternklare Zahnschmerzen - Die CD

ZITAT DES MONATS

Zum Glück wird es nach den stillen Tagen dann auch wieder ein wenig ruhiger.

Karl Valentin (1882-1948)



Schnee von gestern und für gestern

Dez

14.

Ich behaupte mal: 99% aller Passanten gehen achtlos an ihr vorbei. Die verwitterte und moosgrün überzogene Steinplatte wirkt mittlerweile unscheinbar. Es gab Zeiten, da hing sie für alle gut sichtbar prominent und auf Augenhöhe im Eingangsbereich der Kirche. Jetzt ruht sie auf zwei säulenförmigen Steinen auf dem Grünstreifen neben der Kirche.

In den warmen Monaten halten sie manche offenbar für eine Bank. Sie setzen sich auf sie. Ich habe auch schon Kinder und Jugendliche auf ihr klettern und hopsen sehen. Die in ihr eingemeißelten Schicksale sind weitgehend vergessen.

Es ist die Erinnerung an hier aufgewachsene, überwiegend junge Burschen. Voller Pathos und Siegesgewissheit zogen sie in den Krieg von 1914-18, voller Wehmut und Schmerz galt es, ihren Tod zu betrauern. Ein bleibendes und ewiges Gedenken wollte man ihnen zu Ehren mit dieser Tafel stiften. Aber was bleibt schon ewig? Sie sind fast verschwunden - die eingemeißelten Namen.

Heute aber hat es leicht geschneit. Pulverschnee hat den Kirchvorplatz und die Steinplatte eingezuckert. Kinder haben für eine Schneeballschlacht Teile des Schnees von der Platte gewischt und dabei auch den Schnee in die eingemeißelten Kuhlen gedrückt. Und auf einmal sind Namen in alter Schrift in leuchtendem Weiß sichtbar. Sie strahlen geradezu. Ich wische den restlichen Schnee von der Platte. Der Himmel ist winterlich blau. An diesem Tag sind alle Namen klar und deutlich lesbar. An manchen Tagen im Jahr werden ihre Schicksale in wundersamer Weise in Erinnerung gerufen.

(Hier gibt es Fotos von der Gedenktafel: http://www.detlev-proessdorf.de/momentaufnahmen-fotos.php.



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