Sternklare Zahnschmerzen - Die CD

ZITAT DES MONATS

Zum Glück wird es nach den stillen Tagen dann auch wieder ein wenig ruhiger.

Karl Valentin (1882-1948)



Unscharfe Räume für Träume

Dez

25.

Es ist Heilig Abend, es geht auf Mitternacht zu. Ich sitze in der stimmungsvoll abgedunkelten Kirche. Mitten in meinem Blickfeld: Der Weihnachtsbaum. Wie jedes Jahr ist er elegant mit Strohsternen geschmückt und mit Lichterketten beleuchtet. Wir singen alle gemeinsam "O Bethlehem, du kleine Stadt, wie stille liegst Du hier, du schläfst, und goldne Sternelein ziehn leise über dir." Die meisten Weihnachtslieder kenne ich auswendig, aber dieses Lied ist mir nicht so geläufig. Daher schaue ich auch mal ins Liedblatt.

Und während ich den Kopf nach unten neigte, veränderte sich der Weihnachtsbaum. Am oberen Rand meines Blickfeldes, da wo die Brille meinen Blick nicht mehr schärft, funkelten die Tannenbaumlichter wie Wunderkerzen. Was für ein Schauspiel: Goldene Sternlein ziehn leise über mir. Ich blickte durch die Brille, über die Brille, durch die Brille, über die Brille ... Ohne Sehhilfe und leicht unscharf - stellte ich fest - ist Weihnachten noch glänzender! Was 2,75 Dioptrien Minus an Heilig Abend doch für einen Unterschied machen. Das Wunder der Weihnacht strahlt zuweilen noch faszinierender, wenn man nicht alles so scharf sieht!

Um diese kleine Erfahrung nachzuvollziehen, muss man vermutlich mit dem Makel der Kurzsichtigkeit behaftet sein. Dieser Makel verschafft dann aber auch eine Erkenntnis: Alles scharf und klar umrissen zu sehen, ist oft von Vorteil. Aber manchmal öffnen gerade das Unscharfe und das Schemenhafte Räume für Träume.



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